Woher kommt das Ei?

Das Korn viel hinunter auf den staubigen Boden, doch der Boden kümmerte die Hühner recht wenig. Sie kamen sofort herbeigerannt und pickten gierig nach der leckeren Speise. Wildes Gegacker und Flügelschlagen brachten den kleinen Sohn des Bauern zum Lachen. Die Hühner umringten ihn und pickten ihm die Körner aus der Hand, immer darauf achtend, nicht zu stark zu picken, denn sie wussten, dass es sonst schnell vorbei war, mit dem Futtersegen.
„Sag mal Vati, die Hühner kommen doch aus den Eiern, oder?“
„Ja mein Sohn, das stimmt“, ein braun-bärtiger Mann stand lächelnd neben seinem Sohn.
„Und woher kommen die Eier?“
„Die kommen von den Hühnern.“
Der Junge sah seinen Vater verwirrt an, „Das verstehe ich nicht. Wie kann das Huhn aus dem Ei kommen, wenn das Huhn erst das Ei legen muss?“
Der Bauer schmunzelte ob dieser Frage, „Komm mit, ich werde es dir erklären, was zuerst da war, das Ei oder das Huhn“, er nahm seinen Sohn bei der Hand und beide gingen zurück in das Haus.

Bei den Hühnern waren die Körner plötzlich schnell vergessen und wildes Gegacker brach unter ihnen los.
„Gack. Ist doch klar! Gack. Die Henne war zuerst da! Gack, Gack. Wer sollte denn sonst das Ei gelegt haben?“, fragte die alte Henne Gertrud und schabte mit den Läufen im staubigen Boden.
„Gock, Gock. Ist doch Unsinn“, meinte die junge Hilde, „Wo soll den die Henne hergekommen sein, wenn da nicht zuvor ein Ei gewesen ist?“
„Nein, nein die Henne war zuerst da“, rief eine andere und bald überschlugen sich die Stimmen der Hühner, denn jede wollte es besser und genauer wissen, als die andere.
Der Hahn hörte das Gezänk und kam mit erhobenem Haupt und stolzen Schrittes näher. Er stellte sein Gefieder auf und fragte so laut: „Was habt ihr zu streiten Hennen?“
„Gack. Nichts gibt es zu streiten. Gack, ist schon geklärt. Die Henne war vor dem Ei da. Das Ei kommt schließlich aus der Henne. Gack, Gack.“
„Gock! Überhaupt nichts ist geklärt! Die Henne wächst aus dem Küken und das kommt aus dem Ei, also war das Ei zuerst da. Gock“, sagte voller Inbrunst die Hilde.
Schon gingen die Argumente wieder in wildem Gegacker unter.
Der Hahn richtete sich zu voller Größe auf und krähte laut, um endlich Ruhe in den Hühnerhaufen zu bekommen. Tatsächlich verstummte das Dutzend.
„Gock. Na Chef, dann sag du mal, was war zuerst da? Das Ei oder die Henne?“
Der Hahn überlegte, was er antworten solle. Letztlich entschied er sich für die diplomatischste Lösung, die ihm in den Sinn kam: „Ei und Henne waren gleichzeitig da.“
„Gack! So ein Blödsinn! Typisch Hahn! Gack. Gack“, schimpfte die alte Gertrud.
„Gock. Da gebe ich dir ausnahmsweise recht“, pflichtete die Hilde ihr bei, „Eins muss zuerst gewesen sein und das war das Ei! Gock.“
Darauf begann wieder lautes und aufgeregtes Gegacker und alle riefen und quasselten durcheinander. So sehr der Hahn sich auch bemühte, Ruhe in die Runde zu bringen, so wenig gelang es ihm.
Die alte Kuh, welche in der Nähe untergebracht war, hatte den Streit der Hühner ruhig beobachtet, doch nun wurde es ihr zu laut, denn sie wollte in Ruhe ihr Gras kauen und so muhte sie einmal laut.
„Muhhh! Ihr streitet euch, wer zuerst da war. Dabei ist das doch so klar“, meinte sie und alle Hühner sowie der Hahn drehten sich zu ihr um.
„Dann sag uns, was für dich so klar ist!“
„Wenn ihr danach Ruhe geben wollt, dann sage ich es euch. Muh.“
Der Hahn krähte einmal laut und sagte: „Mein Ehrenwort, danach wird Ruhe sein. Also wer war nun als Erstes da?“
Die Kuh nickte, dann sagte sie: „Na der Osterhase natürlich!“